Das BGC-Team im Porträt: Frank (3/6)

Weiter geht’s mit unserer großen Team-Porträt-Runde, bei dem wir euch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen des Board Game Circus verschaffen möchten. Diesmal ist Frank an der Reihe, der etwas mehr darüber verrät, wie er in der Welt der Brettspiele gelandet ist und was er darüber hinaus so alles auf seinem Zettel hat.

Wie bist du zu Board Game Circus gekommen?

Wenn ich, so wie jetzt gerade, eigentlich zum ersten Mal auf meine berufliche Laufbahn zurückblicke, bin ich wohl ein Übersetzer durch und durch. Nach meinem Studium in den Sprachen Englisch und Niederländisch (stellt euch hier bitte ein Gebrochenes-Herz-Emoji vor) mit einem relativ langen Abstecher in die faszinierende Welt der Geschichte (und noch mal das Emoji), war ich rund 10 Jahre in einem wirklich ganz tollen Team in der Welt der Videospiele-Lokalisierung angestellt (aller guten Dinge sind drei). Ein spannendes und vielfältiges Berufsfeld, ohne Frage: pflichtbewusst „Granate von links“ von bekannten Synchronsprechern einsprechen lassen, Geschichten aus der Alten Republik für riesige MMOs übersetzen, in Liberty City sprachlich so richtig die Sau rauslassen und alte Zivilisationen am Bildschirm zum Leben erwecken (ich hoffe, mich verklagt jetzt niemand). Am Ende hat mich der in dieser Branche immense Zeitdruck, der beim Übersetzen immer weniger Kreativität zuließ, dazu bewogen, einfach mal das Feld zu wechseln. Ich hatte schon seit meinem Studium immer auch freiberuflich Brettspiele übersetzt und schon öfter mit Lisa zusammengearbeitet, die gerade bei Board Game Circus angefangen hatte. So kam der Kontakt mit Daniel zustande und wir trafen uns 2021 bei der SPIEL in Essen …

Was sind deine Aufgaben im Verlag?

Ihr könnt es euch fast denken – übersetzen! Gemeinsam mit Lisa lokalisiere ich unsere eigenen Titel und Spiele anderer Verlage für unseren Translation Circus. Abseits davon kümmere ich mich auch ein bisschen um unsere Website und Blogs wie diesen hier, oder ich gehe den anderen mit meinen überaus genialen Marketing- und Musik-Tipps, gescouteten Spielen, die meist viel zu artsy für unser Verlagsprogramm sind, oder der Messe-Planung auf die Nerven. Meistens bin ich aber mit dem Übersetzen voll ausgelastet, denn das ist im Brettspiel-Bereich gar nicht so ohne. Unter Zeitdruck Spielanleitungen für den äußerst anspruchsvollen deutschen Markt (also euch) zu lokalisieren und redaktionell zu überarbeiten gehört auch für einen gelernten Übersetzer definitiv zu den komplexeren Aufgaben, denen man sich stellen kann. Am meisten Spaß macht es mir dabei, Spielregeln gnadenlos zu kürzen und sprachlich so einfach und präzise wie möglich zu gestalten, damit möglichst viele Menschen Freude an dem Spiel haben können. Doch zum Thema Einfachheit gleich noch mehr …

Wie bist du zum Spielen gekommen?

Meine ersten Spiel-Erinnerungen habe ich als 5-jähriger: Die wöchentliche Rummikub-Runde meiner Oma im Eierlikördunst mit ihren Freundinnen, an der ich immer teilnehmen durfte, aber viel mehr noch die Spielplan-Seite des Panini-Albums zur WM Mexiko ‘86. Ausgerechnet eines dieser Solospiele, von denen ich mich eigentlich Zeit meines Lebens fernhalte, sollte mir die Welt der Brettspiele eröffnen: Ergebnis auswürfeln, eintragen, staunen. „Waaas? Algerien gewinnt 6:5 gegen Brasilien? Eine Sensation!“ Danach alles ausradieren (das war damals bei der Papierqualität noch möglich) und von vorne. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Dann gab es auch noch die Schachpartien im erweiterten Familienkreis, die mich zunehmend langweilten, da ich scheinbar ständig gewann (siehe Foto – ich habe tatsächlich so gut wie nie gewonnen und tue es auch heute nicht). Schließlich schenkte mir mein Bruder zu meinem 10. Geburtstag das Spiel „Civilization“, zu meinem 11. Geburtstag das Spiel „1835“ und zu meinem 12. Geburtstag das Spiel „Die Macher“. Er spielte selbst keine Brettspiele und hatte wohl mehr auf den Schachteltext geachtet als auf die Spieldauer, doch genau das war richtig! Ich dachte damals, so sind Brettspiele, und wir spielten sie einfach. Bestimmt spielten wir sie falsch, bestimmt brachen wir sie nach 2 Stunden auch immer mal wieder ab, doch wir hatten immer Spaß dabei. Es waren die Runde und das Thema, die zählten, nicht die Mechanik. Auch heute noch kaufe ich Spiele nur, wenn mich das Thema reizt, mir reicht da völlig der Schachteldeckel. Es spielt keine Rolle, ob ich gewinne oder verliere und auf welche Art das geschieht – für mich erzählen Spiele immer eine Geschichte. Es ist das Lachen, das Weinen, die Wut, die Schadenfreude und die Disziplin, die mich schon immer an Spielen fasziniert haben, und ich finde, diese Gefühle dürfen alle am Tisch einen Raum haben. Lasst uns alle mal wieder mehr verlieren!

Hast du Lieblingsspiele?

Wenn ich echte Lieblingsspiele nennen müsste, gibt es da wohl nur zwei. Zum einen Palets – ein ganz famoses französisches Spiel für draußen, bei dem man Metallscheiben auf ein recht weit entferntes Holzbrett wirft. Die Lernkurve ist ziemlich flach, aber es lohnt sich so sehr! Wirklich, probiert das aus … Boules, Wikingerschach, Cornhole und wie der ganze Quatsch heißt – das ist alles Kindergarten dagegen! Und dann ist da noch Tichu. Es gibt ganz bestimmt kein anderes Spiel, das ich mehr gespielt habe und das so einen gewaltigen Einfluss auf meinen Notenschnitt in der Schule hatte – nur den besten, versteht sich. Überhaupt liebe ich Spiele, die man gegeneinander in Teams spielen kann, davon gibt es viel zu wenige (Notiz auch MAL WIEDER an uns)! Ich spiele außerdem immer noch gerne 1835 sowie diverse Ableger davon. In jüngeren Jahren hat mich Brass sehr fasziniert, da ich das Industrie-Thema so gerne mag, und auch Mischwald lässt mich irgendwie nicht los. Ansonsten spiele ich gerne alles mit, was einen Realbezug hat. Im Fantasy-Bereich bin ich weniger zu finden, da gefühlt jedes zweite Video- und Brettspiel, das ich in mittlerweile 20 Jahren übersetzt habe, von irgendwelchen Trollen und Elfen handelt. Auch Spiele mit Story sind nicht so mein Ding, sie fühlen sich für mich irgendwie anstrengend an – vielleicht ist das ja eine Berufskrankheit. Ich übersetze sie aber trotzdem super gerne und gerade Witchbound ist definitiv mein Lieblingsspiel im Verlag, da es mich so herrlich an die alten Asterix-Abenteuerbücher aus den 80er-Jahren erinnert (siehe Foto – schon wieder ein Solospiel).

Was machst du, wenn du dich nicht mit Spielen beschäftigst?

Regelmäßig spiele ich Brettspiele heute nicht mehr, da suche ich eher andere Dinge als Ausgleich. Auch dabei halte ich es gerne einfach: Das Fahrrad, der Basketball und die Gitarre, die ich immer schnell greifen kann und auf der ich mich zum Leidwesen meiner Familie an alten Grunge-, Chanson- oder Bossa-Nova-Klassikern versuche. Beim Spielen ist es dann eher der Online-Shooter oder das Rennspiel auf der Konsole. Nur ich und meine Waffe oder die Rennstrecke – keine Regeln, nur Gegner, die Zeit und meine eigene Disziplin. Schnell, direkt, einfach. Auch wenn mich das Foto oben vor idyllischer Bergkulisse zeigt, bin ich eher kein Naturbursche, sondern lieber im städtischen Raum unterwegs. Ich interessiere mich für Hip-Hop (insbesondere der Frankfurter Couleur), Industriekultur (ich kriege gar nicht genug von den Messen im Ruhrpott), die NBA und so ziemlich alles, was mit meinem Sehnsuchtsort Frankreich zu tun hat – die Koffer sind da immer gepackt, ihr seht mich nie wieder! Aber zum Glück wohne ich ja in der Pfalz gar nicht so weit entfernt und kann auch so immer mal wieder schnell über die Grenze springen, wenn mich das Frankreich-Fieber packt …

Und zu guter Letzt noch die Abschluss-Fragerunde:

Welcher Song muss bei dir bei der Arbeit laufen?

Wunderbare Welt (Fatoni) – am besten kurz vor dem Feierabend.

Deine 3 Lieblingsmomente bei BGC?

– Die Dreiviertelstunde beim Bäcker am Messe-Morgen.
– Wenn bei unserer obligatorischen Hitster-Runde auf den Messen auch die Schlager-Edition berücksichtigt wird (viel zu selten!!!).
– Mit meinem Homie Daniel im Verlagsmobil im alljährlichen Stau bei Lüdenscheid-Nord den Hustle leben und in BGC-Träumereien schwelgen – We Wear the Crown!

Das nächste Spiel von Board Game Circus wird hoffentlich ein …

Basketball-Manager mit ganz viel Downtime und Player Elimination.