Interview mit Fame & Fable Autor Owen Davey
Das Reich steht am Abgrund und nur ihr könnt es retten. Aber vorher solltet ihr unbedingt erfahren, durch welche unerwarteten Umstände es zu Fame & Fable kam. Autor und Illustrator Owen Davey hat es uns verraten.
Dunkle Kreaturen aus dem Schatten bedrohen das Land. Es liegt an euch, das Reich zu verteidigen und Ruhm und Ehre zu erlangen. Einer hat das bereits geschafft: Owen Davey. Der Autor von Fame & Fable hat das Spiel nicht nur entwickelt, sondern auch selbst illustriert. Wir haben ihn nach seinem Schaffensprozess für das Spiel und seiner Arbeit als Kinderbuchautor gefragt.
(Die Bilder, die ihr in diesem Blog-Beitrag seht, sind frühe Skizzen zum Spiel.)
Foto: Zoe Manders
Du bist nicht nur Autor, sondern auch Illustrator von Fame & Fable. Was kam zuerst: Das Thema und die Charaktere oder die Spielidee und die Mechanik?
„Das Thema war definitiv zuerst da. Früher war ich Spielleiter für Dungeons & Dragons (D&D)-Runden mit meinen Kumpels. Wir haben uns zwar an dem D&D-Regelwerk orientiert, aber ich habe praktisch alles an die Runden angepasst. Da mir das Beschreiben von Charakteren, Monstern und Gegenständen nicht so leichtfiel, habe ich sie einfach gezeichnet und dann gezeigt. Anfangs waren es noch Skizzen, aber ich bin ein Perfektionist und so sind daraus sehr schnell komplexe Zeichnungen geworden.
Irgendwann wollte jemand anderes aus der Gruppe die Rolle des Spielleiters übernehmen und dann saß ich zuhause mit einem Stapel Zeichnungen von Monstern und Charakteren, mit denen ich nichts anfangen konnte. Mir fehlte einfach die Inspiration für neue Zeichnungen. Also habe ich beschlossen, mein eigenes Brettspiel zu entwickeln und dafür einige meiner fertigen Zeichnungen zu verwenden. Am Ende habe ich noch viel mehr für das Spiel neu gezeichnet. Am wichtigsten war mir bei der Entwicklung, dass alles thematisch zusammenpasst. Also habe ich auch die Mechaniken an das Thema angepasst.“


Eine frühe Zeichnung der Hexe und das fertige Bild
Du bist ein großer Fan von Superhelden, besonders von Außenseitern. Die Charaktere in Fame & Fable scheinen jedoch weniger selbstlos zu sein, denn sie kämpfen nur für Ruhm und Ehre (wie der Titel schon sagt). Warum hast du diesen eher wenig heldenhaften Ansatz gewählt?
„In Fame & Fable gibt es Helden (Startkarten) und Verbündete (Charaktere). Die Helden entsprechen mehr oder weniger den klassischen Heldenfiguren, auch wenn sie einige Schwächen haben. Bei ihren Verbündeten habe ich mich von Figuren inspirieren lassen, die man in Pen-&-Paper-Rollenspielen wie D&D findet oder als NPCs in Videospielen. Manche von ihnen werden vorübergehend zu Verbündeten, manche haben einen ganz anderen Zweck in der Storyline, aber sie sind nicht immer super nette Leute. Anti-Helden und Charaktere mit Schwächen sind meist viel faszinierender und interessanter als die klassischen Helden. Genau solche Charaktere spiele ich auch am liebsten in D&D.
Die Welt von Fame & Fable ist keine klassische Heldengeschichte. Überall sind Monster, aber manche Verbündeten sind sogar noch beängstigender als die Wesen, gegen die sie kämpfen. Fame & Fable hat einen grausamen Ansatz und wurde bewusst so designt, dass es manchmal gemein ist. Beim Erschaffen der Welt habe ich versucht, eine düstere Atmosphäre zu erschaffen.“
Was war denn ganz allgemein deine Inspiration?
„Mythologie, Folklore, ganz klassische Fantasy Tropes** Serien, Filme und Spiele waren alle Inspiration für Fame & Fable. Ich liebe es Dinge, die Menschen kennen, lieben und erwarten, mit neuen Ideen zu mischen, die oft deutlich skurriler sind. Es gibt Anspielungen auf alle möglichen Geschichten und Charaktere, die mich über die Jahre inspiriert haben. Das Spiel wird bestimmt einigen Menschen Kreaturen zeigen, die sie vorher noch nie gesehen haben. Oder ihre Lieblingsfiguren neu interpretieren.“
**Tropes = Wiederkehrende Erzählmuster, Motive, oder Themen, die in verschiedenen Geschichten auftauchen wie z.B. die Existenz eines Auserwählten (The Chosen One), ein Schicksal schlimmer als der Tod oder ein alter Mentor (der meist sehr früh in der Geschichte stirbt). – Anmerkung der Redaktion
Skizzen von den Karten Druidin, Dieb, Werwolf und Musiker. Im fertigen Spiel ist der Musiker spiegelverkehrt
Fame & Fable ist dein erstes Brettspiel. Normalerweise arbeitest du als Autor und Illustrator, oftmals für Kinderbücher. Warum dieser Wechsel von Kinderbüchern zu Brettspielen?
„Ich habe schon andere Brettspiele illustriert, aber Fame & Fable ist das erste, das ich komplett selbst erstellt und designt habe. Ich arbeite auch weiterhin an Kinderbüchern und Werbeanzeigen, aber etwas von Grund auf selbst zu gestalten, war eine ganz neue Erfahrung. Von der ersten Notiz auf meinem Handy bis zum fertigen Spiel war alles unter meiner Kontrolle. Ich konnte komplett machen, was ich wollte. Nach 17 Jahren Auftragsarbeiten habe ich diese unglaubliche Freiheit geliebt. “
Die meisten deiner Bücher drehen sich um Tiere und die Natur. Was fasziniert dich so daran?
„Tiere sind großartig und wunderschön, können aber auch hässlich und abstoßend sein und die meiste Zeit tun sie ziemlich bizarre Dinge. Manche Tiere wirken fast wie Aliens, weil sie sich so seltsam verhalten. Meine Neugier über sie lässt mich immer weiter recherchieren und ich liebe es, kleine Fun Facts mit anderen zu teilen. Wissenschaft und Natur sind oft viel wilder und unglaublicher, als man sie sich vorstellt.“
Die Goliath-Kröte als Skizze und fertige Zeichnung
Was sind die Unterschiede zwischen der Illustration eines Buches und der eines Brettspiels? Warum denkst du, dass Illustrationen für Bücher besser bezahlt werden als für Brettspiele?
„Das eigentliche Illustrieren ist natürlich im Grunde das Gleiche, aber die Funktion der Zeichnungen unterscheidet sich stark. Bei Brettspielen sind Illustrationen oft nicht so wichtig. Viele Spielmechaniken funktionieren, egal ob das Spiel super detailreich illustriert wurde oder nicht. Verständliche Symbole und das Spielbrett reichen meist aus, damit ein Spiel funktioniert. Bei einem Kinderbuch sind die Zeichnungen genauso wichtig wie der Text, teilweise sogar wichtiger. Viele Kinder schauen sich nur die Zeichnungen an und erleben die Geschichte hauptsächlich über die Bilder. Damit meine ich nicht, dass Illustrationen für Brettspiele irrelevant sind. Die meisten Illustrationen verbessern das Spielerlebnis. Aber wenn die Mechaniken gut sind, kann ich auch ein langweilig aussehendes Spiel genießen, und ich kann mich an schönen Illustrationen erfreuen, selbst wenn ein Spiel nicht so mein Fall ist. Am besten spielt aber beides zusammen.
Mit einem Brettspiel bin ich meistens mehrere Stunden beschäftigt, da ist es gut, wenn die Illustrationen das Thema widerspiegeln. Ist es nicht viel schöner, wenn ich mir eine Karte oder die Spielkomponenten anschaue und sagen kann “oooh, das sieht toll aus”? Illustrationen helfen außerdem, Dinge im Spiel besser wiederzuerkennen. Wenn du das Design einer Karte kennst, erinnerst du dich in einem späteren Zug daran, und oft verknüpfst du die Funktion mit der Zeichnung.
Die Bedeutung der Arbeit eines Illustrators in Brettspielen wird meiner Meinung nach im Vergleich zu der Illustration von Büchern als weniger wichtig wahrgenommen. Das führt leider oft dazu, dass die künstlerische Gestaltung bei Brettspielen schlechter bezahlt wird.“
Eines der Bücher, das du illustriert hast, ist ein Kinderbuch über Künstliche Intelligenz. Wie ist deine Einstellung zu dem Thema? Glaubst du, dein einzigartiger künstlerischer Stil wird deine Arbeit schützen?
„Das Buch soll Kinder und Erwachsene darüber informieren, was KI wirklich ist. Von der Darstellung von KI in Filmen und Medien bis hin zum aktuellen Zeitgeist und den Kontroversen rund um generative KI.
Persönlich bin ich kein Fan von generativer KI. Von den ökologischen Aspekten mal abgesehen und der Tatsache, dass die Arbeit von Kunstschaffenden ohne deren Einverständnis zum Training genutzt wurde und wird, mag ich es einfach lieber, wenn Kunst von Menschen gemacht wird. Den Prozess, die Intention und die Leidenschaft beim Erschaffen des Kunstwerks gibt es bei KI nicht. Oft denken Leute, bei Illustrationen geht es nur um das finale Produkt. Aber etwas zu zeichnen erfordert eine Menge Arbeit und Gedanken, die alle in das finale Bild einfließen, und gerade der Prozess hinter den Kulissen macht ein Kunstwerk wirklich spannend. Kunstschaffende sind mehr als nur ihre Fähigkeiten, es geht mehr darum, wie sie die Welt wahrnehmen, wo sie ihre Inspiration und ihre Ideen hernehmen und all das in einem Werk vereinen. Das kannst du nicht ersetzen. Klar kann eine KI den Stil nachahmen, aber im Gegensatz zum ursprünglichen Kunstwerk hat es keine Seele mehr. Die Geschichte hinter dem Prozess ist interessant. Ich hoffe die Leute werden weiterhin die menschengemachten Brettspiele bevorzugen und alles was darüber hinausgeht.“
Hast du schon ein Thema für dein nächstes Spiel? Vielleicht diesmal was mit Tieren?
„Bestimmt werde ich in Zukunft ein Projekt mit Tieren angehen, aber im Moment genieße ich es einfach, all die Dinge zu erforschen, die ich sonst bei Auftragsarbeiten nicht einbringen kann. Mein nächstes Spiel „Mariners“ gestalte ich gemeinsam mit meinem guten Freund Chris Boyce. Mariners ist ein Science-Fiction-Spiel, in dem man die Galaxie bereist und erforscht. Es ist ein Mix aus Worker-Placement, Ressourcen-Management und Deck-Building, mit einem sehr anderen Spielerlebnis als Fame & Fable.
Ich brauche einfach die Abwechslung, also versuche ich so viele verschiedene Dinge wie möglich zu mischen. Das macht das Leben spannender.“
Na bist du schon bereit dich in den Kampf zu stürzen? Dann sammel deine Verbündete und rette die Welt von Fame & Fable. Das Spiel ist ab sofort erhältlich!
Wenn du noch mehr zum Spiel erfahren willst, lies doch auch gerne in unserem Blogbeitrag Kämpfe, siege, loote – Was für ein Spiel ist Fame & Fable?
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