Interview mit Sjoerd van der Linde

Storyfold: Schattenwald, unser einzigartiges Solospiel im mystischen, wunderschönen Look, ist ab sofort bei uns erhältlich. Bei so einem besonderen Spiel waren wir natürlich auch selbst neugierig und haben dem Spieleautoren Sjoerd van der Linde ein paar Fragen gestellt.

Storyfold ist die Geschichte des Mädchens Luma, die gemeinsam mit ihrem Bärenfreund Brom loszieht, um den Wald vor unheimlichen, geheimnisvollen Schatten zu retten. Dabei wird sie selbst von düsteren Visionen und Wölfen gejagt, während sie sich der Dunkelheit des Waldes stellt.

In diesem Soloabenteuer bestimmst du selbst den Lauf der Geschichte. Jedes Kapitel des 80 Seiten langen Spielbuch führt dich durch die Geschichte und ist zugleich dein Spielplan. Hier setzt du deine zahlreichen Karten taktisch zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ein, um dich vor den Schatten zu retten. Die emotionale Reise von Luma erlebst du anhand stimmungsvoll illustrierter Szenen. Aber wer ist der Autor, der diesen düsteren und zugleich wunderschönen Wald entwickelt hat?

Was war zuerst da: Der Look des Spiels oder die Geschichte?

„In gewisser Weise beides! Zu Anfang hatte ich bereits ein klares Bild vor mir von einem jungen Mädchen und ihrem Bärenbegleiter, die am Rande eines Flusses stehen. Die beiden sind bereit, sich dem dunklen Wald zu stellen, während Laub auf sie herabregnet. Es war weniger die Geschichte und mehr die Atmosphäre der Szene, die mich damals gepackt hat. Dieses Gefühl wurde zur Grundlage für alles, was danach folgte. Wenn ich auf meine ersten Skizzen und Prototypen schaue, war die Stimmung bereits damals vorhanden.“

Wie hat diese Stimmung die Entwicklung beeinflusst und umgekehrt?

„Ich habe mich von Anfang an von dem Gedanken leiten lassen, dass Geschichte, Illustrationen, Mechaniken und künstlerische Gestaltung alle gemeinsam Hand in Hand arbeiten sollten. Wenn diese Elemente alle gleichberechtigt zusammenkommen, merken die Spielenden das.

Da das Spiel Luma und Brom folgt, während sie Szenen erkunden und die Geschichte vorantreiben, orientierte ich mich oft an Szenen aus meinem Gedächtnis. Dabei stellte ich mir einzelne Momente vor – versteckt hinter einem Baum, beim Retten eines Wesens oder beim Erkunden von mysteriösen Orten. Die Mechanik habe ich dann rund um diese Szenen gebaut. Geschichte, Illustration und Mechanik wachsen gemeinsam, nicht unabhängig voneinander. Ich liebe es vor allem, wie sich die Flussmechanik entwickelt hat. Es ist eins dieser Dinge, wo die Mechanik, das Tempo und die Spannung, wenn sich Karten vor dir bewegen, alle in einer Art und Weise zusammenkommen, die mich nicht nur als Autoren, sondern auch als Designer begeistern. Open Owl Studios, die Illustratorin Justine Chalieux und ich sind immer wieder zu diesem Grundkonzept zurückgekehrt, bei dem diese Elemente alle ineinandergreifen. “

In der Geschichte geht es um das junge Mädchen Luma, die gemeinsam mit ihrem Bärenfreund Brom in einem düsteren Wald unterwegs ist. Dabei wird sie von Wölfen und düsteren Visionen verfolgt. Wie unheimlich ist Storyfold?

„Ich würde das Spiel  nicht als unheimlich bezeichnen. Im Kern erzählt es eine Geschichte über Hoffnung, Heilung, Freundschaft und das Besiegen der eigenen Ängste – selbst wenn die Geschichte Brom und Luna dafür manchmal an ziemlich dunkle Orte führt. Luma lernt während ihrer Reise, sich den Schatten zu stellen, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Ich glaube an Widerstandsfähigkeit und die Chance zur Heilung. Storyfold: Schattenwald kann düster sein und manchmal auch melancholisch, aber es ist niemals hoffnungslos. Es ist eine herzliche Geschichte darüber, wie man selbst an den dunkelsten Orten Licht findet.“

Was war die wichtigste Inspiration zu Storyfold?

„Meine Liebe für immersive Solo-Spielerlebnisse. Ich wollte ein Spiel erschaffen, das ich selbst gerne spielen würde – wo Geschichte, Illustration und Mechanik zusammenarbeiten und dadurch etwas Emotionales und Erinnerungswürdiges schaffen. Ich hatte das Gefühl, auch andere würden ein Spiel zu schätzen wissen, bei dem all diese Elemente von Beginn an nahtlos ineinandergreifen. Inspiration fand ich dabei nicht nur in Brettspielen, sondern auch in Büchern und Videospielen, wo Handlungsstränge, Atmosphäre und Szenen eine ganz eigene Welt entstehen lassen.

Auf persönlicher Ebene waren meine zwei Töchter die Hauptinspiration. Der Name Luma ist eine Kombination aus ihren beiden Namen Lune und Mae und eine von ihnen hat einen geliebten weißen Teddybären, der als Vorlage von Brom diente. Es gibt im Spiel auch Hinweise auf meine niederländische Herkunft, die sich in den Orten und Wesen wiederfindet.“

Du warst schon in den Bereichen Archäologie und Austellungsgestaltung tätig. Hatten deine Erfahrungen einen Einfluss auf die Gestaltung der Welt von Storyfold?

„Absolut. Die Archäologie hat mich dazu gebracht, versteckte und vergrabene Geschichten zu suchen, und ich finde es spannend, wie bestimmte Themen in verschiedenen Zeiten und Kulturen immer wieder auftauchen.

Die Ausstellungsgestaltung hatte einen direkten Einfluss auf die Art und Weise, wie Storyfold funktioniert. Beim Organisieren von Ausstellungen ist es wichtig, sich zu überlegen, wie eine Person sinnvoll durch die Räume geführt wird. Wie wirken verschiedene Räumlichkeiten, Objekte, Licht und Text zusammen, damit Personen etwas dabei fühlen und für sich mitnehmen können? Eine Geschichte wird niemals nur mit einem Medium erzählt. Es kommen immer mehrere Ebenen zusammen und das Erlebnis entsteht dadurch, wie diese Elemente zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Diese Denkweise ist direkt auf Storyfold übertragbar. Ich habe nicht nur eine Geschichte geschrieben und darauf Illustrationen und Mechaniken gepackt. Ich habe mich gefragt: Wie erreichen alle diese Elemente zusammen, dass dabei ein Gefühl entsteht?“

Ist Storyfold dein erstes Brettspiel?

„Ja, Storyfold: Schattenwald ist mein erstes veröffentlichtes Spiel. Ich hatte zuvor bereits an kleineren Ideen und Prototypen gearbeitet, aber Storyfold war das erste Projekt, das ich fertiggestellt habe – und ich bin so froh, dass ich einen Verlag gefunden habe und nun sogar durch Lokalisierungen ein Publikum rund um die Welt erreiche. Das ist alles ziemlich überwältigend.“

Wie kam dir die Idee zu einem Solospiel mit hohem Story-Anteil?

„Während der Pandemie und durch meine neue Rolle als Vater habe ich immer öfter Solospiele gespielt – sie waren wirklich spannend und ich fand  fand, dass sie Potenzial haben. Also fragte ich mich: Wieso nicht ein Spiel entwerfen, das sich direkt an Solospieler richtet? Dabei sollte alles von Anfang an so zusammenarbeiten, dass ein immersives Spielgefühl entsteht. So kam ich dann zu dem faltbaren Geschichtenbuch, dem Prolog-Tutorial, der Flussmechanik und den Szenen, die das Spiel strukturieren. Sobald das alles feststand, hat sich der Rest ganz natürlich entwickelt.“

Planst du eine Fortsetzung zu Storyfold?

„Von Beginn an war es der gemeinsame  Traum von Open Owl und mir, dass Storyfold zu einer Reihe werden könnte, wenn sich genug Spielende für Storyfold: Schattenwald begeistern. Das System bietet eine hohe Flexibilität sowohl mechanisch als auch von der Geschichte her, und wir fanden immer, dass es als Basis für viele verschiedene Abenteuer dienen könnte. Als Autor mangelt es mir schon mal nicht an Ideen. Es gibt viele Welten und Geschichten, die ich gerne erkunden und zum Leben erwecken würde, also schauen wir mal, was die Zukunft bereithält!“

Wenn du nun neugierig bist auf die Reise von Luma und Brom, dann stürze dich direkt ins Abenteuer von Storyfold: Schattenwald. Das Spiel ist ab sofort erhältlich!

Schau auch gerne noch in unserem Blogbeitrag: Was für ein Spiel ist Storyfold: Schattenwelt? rein, für noch mehr Infos zum Spiel.

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