Interview mit Personal Demons Autor Judson Cowan
Die besten Gruppentherapien beginnen mit einer Dämonenbeschwörung. Das zumindest findest Personal Demons Autor und Illustrator Judson Cowan. Warum er Dämonenbeschwörung mit Therapie verbunden hat und warum er sich so für Monster interessiert, verrät er im Interview.
Monster haben Judson Cowan schon immer fasziniert. Bei Board Game Circus ist der Autor und Illustrator schon fast ein Stammgast. Bereits mit Tüftelmonster und Deep Regrets hat er seine skurillen Monsterzeichnungen mit spannenden Spielen verbunden. Personal Demons ist dabei wohl sein persönlichstes Spiel. Was ihn an Monster fasziniert und wie es zu dem neusten Spiel kam, erzählt er im Interview.
Eine Sache zieht sich durch all deine Spiele: Monster und andere seltsam, teilweise abstoßend aussehende Kreaturen. Was fasziniert dich an Monstern?
„Das ist eine wirklich gute Frage! Monster faszinieren mich eigentlich schon seit meiner Kindheit. Meine früheste Erinnerung daran ist die Zeichentrickserie He-Man. Wenn ich einen Spielzeugladen besucht habe, wollte ich nie die Heldenfiguren, sondern immer die Schurken. Ich wollte Skeletor, MerMan und MossMan. Ich liebte Dinosaurier und Käfer und habe „Battle Beast“-Spielzeuge und Karten der Garbage Pail Kids gesammelt. Monster sind schon so lange ein Teil meines Leben, dass ich gar nicht genau sagen kann, warum ich so besessen von ihnen bin!
Menschen hatten schon immer eine Faszination für alles, was grotesk, seltsam und böse ist. Für mich ist das Zeichnen von Monstern und fantastischen Kreaturen eine Möglichkeit, mich kreativ auszudrücken. Außerdem mag ich die Herausforderung, etwas Abstoßendes oder Gruseliges zu zeichnen, das gleichzeitig ein breites Publikum anspricht. Wie zeichne ich einen Dämonen so lustig und freundlich, dass Leute sich nicht von dem Spiel abwenden? Das hat viel Spaß gemacht!”
In Deep Regrets wird man immer wahnsinniger, während man in Personal Demons Therapie bekommt. Ist Personal Demons quasi eine Art Fortsetzung zu Deep Regrets?
„Das habe ich schon von mehreren Leuten gehört! Ich habe das Spiel nicht als Fortsetzung entwickelt, aber ich mag den Vergleich. Spiel das eine Spiel und werde wahnsinnig, spiel das andere, um dich zu erholen. So kann das dann immer weitergehen!”
Endlich könnt ihr euren Wahnsinn aus Deep Regrets heilen!
Personal Demons ist ein Spiel über Dämonenbeschwörung. Aber du hast selbst geschrieben, dass die Dämonen eine Metapher für die eigenen inneren Dämonen wie Depression und Angstzustände sind. Wie kam es dazu, dass du ein so persönliches Thema in einem Brettspiel verarbeitest?
„Ich setze mich schon lange dafür ein, dem Thema mentale Gesundheit das Stigma zu nehmen. Viele Menschen haben Probleme mit ihrer mentalen Gesundheit und schaffen es nicht, darüber zu reden. Oder es geht ihnen schlecht, ohne dass sie wissen warum, weil sie die Zeichen nicht erkennen. Ich versuche immer, Wege zu finden, mit anderen Leuten über meine mentalen Probleme zu reden. Damit will ich ihnen zeigen, dass weder ich noch sie gebrochen sind. Es ist einfach etwas, das man überwinden kann. Das ist die Idee von Personal Demons: Selbst diese angsteinflößenden Dinge sind etwas, das du überwinden kannst. Es ist alles andere als einfach und ein nie endender Kampf, aber du kannst die Oberhand über deine Dämonen gewinnen.”
Wie kam es zu der Verbindung zwischen dem Beschwören von Dämonen, also einem eher spirituellen Ansatz, und einer Therapiesitzung?
„In der englischen Sprache ist die Bezeichnung „Personal Demons” eine Metapher, um die eigene innere Unruhe zu beschreiben. Eigentlich war es für mich eine ziemlich naheliegende Idee, die inneren Dämonen mit buchstäblichen Dämonen gleichzusetzen! Dass man diese dann im Spiel beschwört, basiert auf der allgemeinen Vorstellung, dass man die eigenen Probleme zuerst einmal akzeptieren muss. Du musst deine Dämonen beschwören, um sie zu konfrontieren und zu besiegen.“
Zurück zum eigentlichen Spiel: Wie therapieren die Spielenden ihre Dämonen in Personal Demons?
„Wie bereits erwähnt, musst du deine Dämonen erst ans Licht bringen, um sie mit den neu gewonnenen Erkenntnissen zu bezwingen. Im Spiel selbst bildest du dafür Siegel. Wenn du ein komplettes Siegel erschaffst, kannst du die Dämonen damit versiegeln. Das ist eine Metapher für einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr mentaler Gesundheit: Das Erkennen von Verhaltensmustern. Das gibt dir Stärke in deiner Therapie. Im Spiel ist es eine stumpfe Metapher: Wortwörtliche Mustererkennung repräsentiert im übertragenen Sinne das Erkennen von Verhaltensmustern.“
Was ist das Besondere an Personal Demons?
„Hoffentlich alles! Es ist ein verrücktes Spiel über Dämonen, das trotzdem nicht zu düster und schrecklich ist. Und gleichzeitig geht es um mentale Gesundheit. Für ein konfrontatives Spiel ist es ziemlich nett, denn die Interaktion untereinander ist immer positiv. Mein Ziel war es, ein Spiel zu erschaffen, das etwas Besonderes ist. Hoffentlich kommt das auch rüber!“
Dämon Buer als Skizze und fertige Version im Spiel
Jede Person hat ihre eigene Dämonentafel. Wie profitieren die Spielenden trotzdem voneinander, selbst bei einem konfrontativen Spiel?
„Das Spiel ist bewusst so gestaltet, dass es eine Art Solo-Multiplayer ist, mit wenig Interaktion. Die einzige Interaktion ist freundlich und hilft den anderen. Das macht die ganze Erfahrung deutlich therapeutischer. Menschen mit mentalen Problemen oder im neurodiversen Spektrum können soziale Interaktionen als herausfordernd oder anstrengend empfinden, obwohl sie gleichzeitig die Gesellschaft von anderen Menschen schätzen. Deshalb bevorzugen sie oft “parallel play”. Mehrere Menschen sind zur gleichen Zeit am gleichen Ort, wo sie aber unterschiedliche Dinge tun, ohne miteinander zu interagieren. Viele Menschen – mich eingeschlossen – finden diese Art des sozialen Zusammenkommens ohne Energieverbrauch für soziale Interaktion hilfreich. Genau das wollte ich auch für Personal Demons.“
Warum hast du ein Buch über alle Dämonen aus dem Spiel geschrieben?
„Ich hatte viel Spaß, die ganzen kleinen lustigen Texte und Hintergründe für Deep Regrets zu schreiben. Bei Personal Demons sind bereits viele Informationen auf den Karten und lassen keinen Platz für noch mehr Text. Also habe ich alle diese Informationen in ein Buch gesteckt. Dadurch hatte ich nun viel mehr Platz, um die einzigartige Dämonologie zu erforschen, die im Spiel auftaucht. Ich bin geradezu besessen von Bestiarien, und die Chance, mein eigenes zu schreiben, war sehr spannend.“ (Anmerkung: Das Buch haben wir nicht übersetzt, ihr könnt es aber im Kickstarter in der Originalsprache mit kaufen)
Wie würdest du die Entwicklung des Spiels und des Buchs beschreiben?
„Ich hatte eine höllisch gute Zeit!“
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Wenn du noch mehr zum Spiel erfahren willst, lies doch auch gerne in unserem Blogbeitrag Kämpfe, siege, loote – Was für ein Spiel ist Fame & Fable?
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